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Station 04: Frühe Moorkultivierung

Die Moorbrandkultur und der Buchweizen

Die Moorbrandkultur ist eine der ältesten Formen der Agrarwirtschaft und war für die landwirtschaftliche Nutzung der Moore von höchster Bedeutung – die feuchten und nährstoffarmen Böden konnten kaum urbar gemacht werden.

Die Moorbrandkultur ermöglichte es, dennoch Ernte einzufahren: Der relativ anspruchslose Buchweizen wurde in die noch warme Asche gesät und wuchs trotz der widrigen Umstände im Moor. Schnell wurde der Buchweizen überlebensnotwendig: Als Grundnahrungsmittel und Verkaufsprodukt sicherte er die Existenz der Landbevölkerung.

Zu den Grundnahrungsmitteln zählt Buchweizen heute nicht mehr. Buchweizenspeisen sind aber noch immer heiß begehrt: In der ostdeutschen Küche ist süßer oder herzhafter Buchweizenbrei als Beilage beliebt. Die berühmte italienische Polenta, eigentlich aus Maisgrieß hergestellt, wird in verschiedenen Regionen Italiens auch mit Buchweizenmehl zubereitet. Die japanischen Soba-Nudeln bestehen ebenfalls aus Buchweizen. Und auch in Deutschland ist das glutenfreie Buchweizenmehl aus den Supermärkten nicht mehr wegzudenken.

Öfter als für Nudeln oder Polenta ist Buchweizenmehl die Grundlage für Pfannkuchen: In der Bretagne wird die Galette mit Käse, Rührei und Kochschinken als herzhafte Variante zum süßen Crêpe gegessen. Die niederländischen Poffertjes sind etwa münzgroß und werden mit Butter, Puderzucker und Zuckerrübensirup serviert – und in Nordamerika gehört der Buckwheat Pancake mit Ahornsirup zu jedem rustikalen Frühstück. Für Neugierige und Experimentierfreudige haben wir am Ende dieser Seite ein Rezept für eine leckere Buchweizentorte eingestellt!

Tipp: Das Museumscafé des Emsland Moormuseum bietet neben traditionellen Buchweizenpfannkuchen auch Buchweizentorte an. Die Speisekarte ist online einsehbar. Am letzten Sonntag im Juli findet im Emsland Moormuseum außerdem das traditionelle Buchweizenblütenfest statt. Im Museumsdorf Cloppenburg ist es möglich, am offenen Herdfeuer eines alten Bauernhauses historische Rezepte auszuprobieren – unter anderem auch Buchweizenpfannkuchen. Alle Informationen dazu sind online verfügbar.

Papenburg und die Fehnkultur

Die in den Niederlanden entwickelte Technik der Fehnkultur wurde auch in Norddeutschland angewendet, um das Moor zu kultivieren. Dabei stand neben dem gewinnbringenden Torfabbau und der Landgewinnung auch immer die Besiedlung der Region im Fokus. Die so entstandenen Fehnkolonien bestehen auch heute noch vielfach als Dörfer oder Städte fort. Als älteste und mit Abstand größte deutsche Fehnkolonie gilt Papenburg - dabei reicht die Fehnkultur bis in die Samtgemeinde Nordhümmling (z.B.: Gemeinde Surwold).

Schon gewusst? Der Begriff „Fehn“ kommt aus dem Niederdeutschen und bezeichnet ein Moorgebiet. Viele Dörfer und Städte, die auf „-fehn“ enden, sind klassische Fehnsiedlungen, zum Beispiel Elisabethfehn oder Rhauderfehn.

Als Papenburgs Gründungsjahr gilt 1631, als der Drost Diedrich von Velen dem Bischof von Münster ein rechtsemsiges Moorgebiet an der Grenze zu Ostfriesland abkaufte, um eine Fehnkolonie zu gründen. Von Velen warb erste Siedler an und bis 1639 wurde ein Kanal bis zur Ems gegraben, durch den einerseits das Moor entwässert, andererseits auch gestochener Torf abtransportiert und verkauft werden konnte. Ab dem Jahr 1657 wurde Papenburg eigenständig und musste keine Abgaben mehr zahlen – diese günstige Bedingung ließ die Zahl der Siedler und den Torfabbau im 17. Jahrhundert rasant steigen.

Mitte des 18. Jahrhunderts gingen erste Siedler dazu über, in die gewerbliche Schifffahrt einzusteigen und den Torf nicht mehr von Händlern verschiffen zu lassen – auch als Auftragsschiffer verdingten sich viele Papenburger. Als Papenburg im 19. Jahrhundert das Stadtrecht verliehen bekam, hatte es traditionellen Schiffbaustädten wie Lübeck, Hamburg oder Bremen längst den Rang abgelaufen.

Das wohl eindrucksvollste Zeugnis dieses Wechsels von der Landwirtschaft hin zum Handwerk und zur Dienstleistung ist die Papenburger Meyer Werft: Im Jahr 1795 als Holzschiffswerft gegründet, ist die Meyer Werft mit über 2500 Beschäftigten heute eines der größten Unternehmen im nördlichen Emsland, einer der wichtigsten Auftraggeber der Region und seit Jahrzehnten internationaler Marktführer beim Bau von Kreuzfahrtschiffen.

Doch auch die Anfänge Papenburgs sind noch heute zu bestaunen: Auf der historischen Von-Velen-Anlage sind von Plaggenhütten der ersten Siedler über Moorkaten mit feuerfesten Giebeln bis hin zu typischen Torfgräberhäusern aus Ziegelstein Zeitzeugnisse ausgestellt. Die restaurierten Katen und Häuser zeigen die Lebensverhältnisse vergangener Jahrhunderte und verraten viel über die Geschichte Papenburgs.

Tipp: Die Fehnkultur hautnah erleben können Radfahrer auf der Moorerlebnisroute. Der Rundweg führt unter anderem über die Gemeinden Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und Elisabethfehn. Auf der gut 100 Kilometer langen Strecke gibt es traumhafte Landschaften, die Weite des Moors, thematische Museen und historische Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Die Hochmoorkultur und die Weidewirtschaft

Die Hochmoorkultur löste Anfang des 20. Jahrhunderts die Moorbrandkultur ab, die ökologisch und ökonomisch nicht mehr zu rechtfertigen war. Entwickelt wurde das neue Verfahren der Hochmoorkultivierung in der Preußischen Moorversuchsstation in Bremen, die sich wissenschaftlich mit der Möglichkeit einer dauerhaften landwirtschaftlichen Nutzung von Moorgebieten auseinandersetzte. Vor allem der aufkommende Mineraldünger mit Kali, Phosphorsäure, Kalk und Stickstoff ermöglichte die Nutzung von Moorflächen als Dauergrünland ohne Abtorfung. Die ausgedehnten Grünlandflächen führten zu einer immer stärkeren Rinderhaltung in den kultivierten Gebieten.

Weidewirtschaft

Weiterführende Links

  • www.moormuseum.de | Website des Emsland Moormuseums mit Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Sonderausstellungen, Exponaten und Museumscafé

  • www.museumsdorf.de | Website des Museumsdorfs Cloppenburg mit Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Sonderausstellungen und weiteren Veranstaltungen

  • www.meyerwerft.de | Website der Meyer Werft in Papenburg mit Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen und Unternehmensangaben

  • www.von-velen-anlage.de | Website der historischen Von-Velen-Anlage mit Informationen zu Öffnungszeiten, Preisen und historischen Ferienhäusern

Weiterführende Literatur

  • Bersin, Modesta: Backen mit Buchweizen. Aarau (2012), ISBN: 978-3038006787

  • Schwerdtner, Nils: 25 Jahre Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft. Hamburg (2011), ISBN: 978-3782209243

  • Wagener, Christoph: Papenburg: Neue Bilder aus alter Zeit. Erfurt (2012), ISBN: 978-3954001088

  • Werner, Franke; Grave, Josef; Schüpp, Heiner; Steinwascher, Gerd (Hrsg.): Der Landkreis Emsland: Geographie Geschichte Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Meppen (2002), ISBN: 3-930365-13-8

Rezepttipp: Buchweizentorte



buchweizentorte
Diese leckere Buchweizentorte hat Angela Willenborg aus Esterwegen nach einem traditionellen Rezept gebacken. Allen, die einmal Lust auf die etwas andere Torte haben, sei nachfolgendes Rezept ans Herz gelegt.

Zutaten für den Rührteig:
- 6 Eier
- 200 gr. Zucker
- 100 gr. Buchweizenmehl
- 10 gr. Mondamin
- 1/2 Päcken Backpulver

Zutaten für die Verzierung:
- 3 Becher Sahne
- 1 1/2 Gläser bzw. 750 gr. Preiselbeeren
- Schokostreusel

Zubereitung:
1.) Eier und Zucker unter Zugabe von einem Esslöffel heißem Wasser schaumig schlagen.

2.) Buchweizenmehl, Mondamin und Backpulver mit der Masse vermischen.
3.) Den Teig ca. 45 Minuten lang bei 150ºC im Umluftherd backen und danach richtig auskühlen lassen.
4.) Den Boden mittig durchschneiden und dann mit der geschlagenen Sahne, den Preiselbeeren und den Schokostreuseln verzieren.


Tipp: Eine Backform mit einem Durchmesser von 28 cm ist am besten geeignet. Nach Möglichkeit sollte der Buchweizenkuchen einen Tag vorher gebacken und erst am nächsten Tag gefüllt und verziert werden. Gerne veröffentlichen wir an dieser Stelle auch ein Foto Ihrer selbstgebackenen Buchweizen-Spezialität!