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Station 06: Emslanderschließung

Esterwegen und die Emslanderschließung

Die Nachkriegszeit war für das ländlich geprägte Emsland eine Zeit des radikalen Wandels. Die Not von Flüchtlingen und Vertriebenen, notwendige Strukturmaßnahmen und fehlende landwirtschaftliche Nutzflächen machten es für die neue Bundesrepublik notwendig, das Emsland wirtschaftlich zu erschließen.

Auch Esterwegen profitierte maßgeblich von den Maßnahmen des Emsland-Plans, der 1950 vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde. Weil wirtschaftsträchtige Pläne wie ein Torfkraftwerk und ein Küstenkanal-Kraftwerk an anderer Stelle realisiert wurden, förderte die mit der Umsetzung des Emsland-Plans betraute Emsland GmbH in Esterwegen die Ödlandkultivierung und die Ansiedlung von bäuerlichen Betrieben, auch von vertriebenen Bauern aus dem Osten.

Lange blieb die Landwirtschaft zentrale Einkommensquelle der Esterweger und der Gemeinde Esterwegen. Dennoch wurde massiv in die Infrastruktur und den Wegebau investiert sowie Gewerbeflächen ausgewiesen. Mit Erfolg: Im Oktober 1961 eröffnete die CUNDA/CANDA-Textilfabrik und bot zeitweise 200 Arbeitsplätze, bis ins Jahr 2001 war Esterwegen Standort eines Bundeswehrdepots. In den vergangenen Jahrzehnten wurden weitere Gewerbegrundstücke erschlossen, die dank der sich ansiedelnden Verarbeitungsbetriebe und Dienstleister zu Wirtschaftsknotenpunkten in der Region wuchsen. Auch Betriebe der Zukunftsbranchen wie z.B. Windenergie oder Spezialstahlbau haben in Esterwegen ihren Sitz.

Dank des Engagements der Gemeinde wurde das lange vernachlässigte Schulwesen in Esterwegen umstrukturiert. Ein neues Schulzentrum vereinte Grund-, Haupt- und Realschule sowie die Orientierungsstufe auf einem Gelände und wurde zur zentralen Schulinstitution auch für umliegende Gemeinden. Heute befindet sich in Esterwegen eine Oberschule mit Gymnasial-, Realschul- und Haupschulzweig. Als Sitz der Samtgemeinde Nordhümmling ist Esterwegen heute auch ein politisches Zentrum im nördlichen Emsland.

Einen wichtigen Beitrag in der Aufbereitung der Geschichte der Emslanderschließung leistet das Emsland Moormuseum in Geeste-Groß Hesepe. Neben der Dauerausstellung zu Torfabbau, Moorentwicklung und Moorkultivierung ist der Erschließung des Emslandes eine eigene Ausstellungshalle gewidmet.

Zum Mitfahren: Jahrzehntealte Technik

Die Feldbahn war eine der wichtigsten Maschinen bei der Erschließung des Emslandes. Die leichten Gleise konnten ohne weitere bauliche Maßnahmen im Moor verlegt werden, weil sie keinen Unterbau benötigten. Die Feldbahnen wurden dazu genutzt, gestochenen Torf zu Trockenfeldern und Verarbeitungsanlagen zu transportieren. Im Emsland Moormuseum verrichtet eine Feldbahn mit einer Spurweite von 600 mm noch immer ihren Dienst – Jung und Alt können bei einer Fahrt das weitläufige Freigelände entdecken.

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Wie früher: Fahrt mit der Feldbahn (© ELT)

In der Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Oktober eines Jahres fährt die Feldbahn täglich um 13, 14, 15 und 16 Uhr. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten; Karten müssen vorher an der Museumskasse erworben werden. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Emsland Moormuseums.

Zum Bestaunen: „Mammut“ in Lebensgröße

Mit Hilfe riesiger Maschinen wurden Moore in der Nachkriegszeit trockengelegt. Besonders Dampf- und Tiefpflüge der Firma Wilhelm Ottomeyer verrichteten ihren Dienst im Moor – sie leisteten in fünf Stunden, was vorher 500 Arbeitstage in Anspruch genommen hätte. Das Emsland Moormuseum schreibt dazu:

Ein kompletter Dampfpflugsatz für den Zwei- bzw. den Viermaschinenbetrieb bestand aus den Pfluglokomotiven, dem Pflug und einem Mannschafts- und Gerätewagen. In der kurzen Pflugsaison von nur 75 bis 100 Tagen pro Jahr wurde täglich meist 18 Stunden gearbeitet. Ende der 1960er Jahre gab es noch über 30 Dampfpfluglokomotiven.“

Nach dem Ende der planmäßigen Emslanderschließung richtete sich ab 1965 der Fokus vor allem auf die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie. Die Zeiten der groben Arbeiten waren vorbei und viele Gerätschaften blieben im Emsland zurück. Für alle interessierten Besucher ein Glücksfall: Der Tiefpflug „Mammut“, zwei Dampflokomobile und allerlei Zugmaschinen sind heute im Emsland Moormuseum zu bestaunen.

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Viel zu entdecken gibt es im Emsland Moormuseum (© ELT)

Jahresprogramm
Rund ums Jahr finden im Emsland Moormuseum Vorträge, Werkstätten, Kindertage und familiengerechte Führungen statt. Das Programm für das Jahr 2013 ist vollständig online einsehbar.

Sonderausstellung
Zum 100-jährigen Jubiläum der Klasmann-Deilmann GmbH, die unter anderem auch eine Btriebsstätte in Esterwegen unterhält, hat das Emsland Moormuseum eine Firmenchronik des heute international tätigen Unternehmens erstellt. Vom 18. Juni bis zum 03. November 2013 präsentiert das Emsland Moormuseum die Ergebnisse der Recherchen in der Sonderausstellung „Von den Heseper Torfwerken bis zur Klasmann-Deilmann GmbH“.

Weiterführende Links

  • www.moormuseum.de | Website des Emsland Moormuseums mit Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Sonderausstellungen und Exponaten

Weiterführende Artikel

  • Emslandplan | Detaillierte Informationen zum Emslandplan auf der Website des Landkreises

Weiterführende Literatur

  • Schmidt-Czaia, Bettina (Hrsg.): Esterwegen 1223 – 1999: „Moor und Heide nur ringsum…?“. Gemeinde Esterwegen (1999), ISBN: 30000444418

  • Christof Haverkamp: Die Erschließung des Emslandes im 20. Jahrhundert als Beispiel staatlicher regionaler Wirtschaftsförderung. (Reihe Emsland/Bentheim. Beiträge zur neueren Geschichte, Band 7), Sögel, Emsländische Landschaft (1991) ISBN: 9783925034169

  • Emsländische Landschaft und Bezirksregierung Weser-Ems (Hrsg.): Die Emslanderschließung. Eine Handreichung für den Unterricht in siebten bis zehnten Klassen. Endredaktion: Helmut Lensing. Sögel (2000), ISBN 3925034315

  • Landkreis Emsland (Hrsg.): 50 Jahre Emslandplan. Redaktion: Heiner Schüpp; Claus Veltmann. Meppen, Landkreis Emsland (2000), ISBN: 393036509X

  • Wilbers-Noetzel, Annette: Die wohnräumliche und wirtschaftliche Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Emsland nach 1945. (Reihe Emsland/Bentheim. Beiträge zur neueren Geschichte, Band 17), Sögel, Emsländische Landschaft (2004), ISBN: 9783925034350