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Stationen 11 – 16: Torfnutzung – Gestern und Heute

Das Moor ist nicht nur ein faszinierender Naturraum mit seltenen Tieren und Pflanzen, sondern war und ist auch Lieferant wichtiger Ressourcen: Torf wurde lange Zeit als Brennmaterial verwendet (11), war wichtig für die Energiegewinnung (12) und wird als Ausgangsstoff für Kultursubstrate (13) verwendet, die im Gartenbau Anwendung finden. Torffasern werden außerdem zur Textilherstellung (14), als Granulat in der Aquaristik (15) oder im Wellness-Bereich (16) genutzt.

zu den Stationen 12 - 16

Bäuerlicher Hausbrand (11)

Weil in den waldarmen Moorgegenden Holz ein knapper Rohstoff war, wurde die Ressource Torf bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts als Brennmaterial verwendet. Jeder Haushalt musste für den Eigenverbrauch Torf stechen – ein wahrer Kraftakt:

Nach der Entwässerung eines Hochmoores wird die obere „Bunkerde“ abgetragen und die Torfbank angelegt. Mit dem „Stikker“ muss die Moorwand senkrecht in gleichmäßige Soden geteilt werden. Ein im Torfstich stehender Arbeiter sticht die Soden mit dem „Uplegger (Aufleger)“ waagerecht ab und legt sie auf die „Püttkante“. Von dort beschickt ein anderer mit der „Setzforke“ eine Karre. Danach lagert man die bis 4 kg schweren Torfsoden auf dem Trockenfeld. Hier werden sie zumeist von Frauen und Kindern solange gewendet, bis der Wind die Feuchtigkeit erheblich reduziert hat. Zwei Arbeiter schaffen täglich 6.000 Soden oder 24 m³.

(Beschreibung für 1915 / 100 Jahre Klasmann-Deilmann GmbH)

Der Abtransport erfolgte dann ebenfalls mit Muskelkraft: Im Pferdewagen oder per Handkarren wurden die trockenen Torfsoden auf den heimischen Hof gebracht. In Esterwegen erinnert eine bronzene Statue auf dem Dorfplatz an diese Tradition des Torfstechens: Ein Torfstecher mit typischem Handwerkszeug, dem „Uplegger“ und dem „Stikker“, begrüßt dort Einheimische und Besucher.

Esterweger Torfstecher 4

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Energie aus Torf (12)

Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Brenntorf zur Energiegewinnung in Kraftwerken verfeuert. Außerdem „verkohlte“ man Torf in Kohlenmeilern zu Torfkohle. Vorteil dieses Brennstoffs: Er hat einen höheren Heizwert und günstigere Verbrennungseigenschaften. In Deutschland gab es zwei Torfkraftwerke: Von 1909 bis 1964 wurde in Wiesmoor in Ostfriesland Strom aus Torf gewonnen, bevor das Kraftwerk durch ein moderneres Gaskraftwerk ersetzt wurde. Im Jahr 1925 nahm das zweite deutsche Torfkraftwerk in Rühle bei Meppen seinen Betrieb auf und wurde erst 1974 vom Netz genommen. Brenntorf und Brennkohle wurden in den Folgejahren immer mehr durch Energieträger mit höherer Energieffizienz und umweltverträglicheren Eigenschaften verdrängt. In Irland und Finnland gibt es aber auch heute noch vereinzelt aktive Torfkraftwerke.

Torf als Kultursubstrat (13)

Im Emsland haben Unternehmer schon früh die Bedeutung von Torf und Kultursubstraten entdeckt: Der regionale Substratproduzent und -händler Klasmann-Deilmann hat sich längst zum Branchenprimus entwickelt. Mit 3,1 Millionen produzierten Kubikmetern an Substraten, Blumenende und Kompost gehört der Traditionsbetrieb zur Weltspitze, als Arbeitgeber für über 1000 Angestellte bereichert er die Region. 2013 feierte Klasmann-Deilmann den 100. Firmengeburtstag.

kd anwendung

Tipp: Zum 100-jährigen Jubiläum der Klasmann-Deilmann GmbH, die auch eine Betriebsstätte in Esterwegen unterhält, hat das Emsland Moormuseum eine Firmenchronik des heute international tätigen Unternehmens erstellt. Vom 18 Juni bis zum 03. November 2013 präsentiert das Emsland Moormuseum die Ergebnisse der Recherche in der Sonderausstellung „Von den Heseper Torfwerken bis zur Klasmann-Deilmann GmbH“.

Das Thema Moor und Kultursubstrat hat Klasmann-Deilmann leicht verständlich auch für Kinder aufbereitet: Eine Kinder-Website und ein Kinderheft laden zum Staunen ein.

Torffasern zur Textilherstellung (14)

Torffasern sind eigentlich ein Abfallprodukt der Torfgewinnung: Die zu langen Fasern werden nicht gebraucht, werden aber als Filtergranulat (15) verwendet – oder auch, was kaum jemand weiß, um Textilien herzustellen. Weil es aber bis heute noch nicht gelungen ist, einen haltbaren Faden aus reiner Torffaser herzustellen, werden Torffasertextilien mit Wolle oder Seide versponnen. Der Anteil an Torffaser in den entsprechenden Textilien beträgt dann zwischen 10 und 50 Prozent. Textilien mit Torffaseranteil wirken klimatisierend. Durch ihren hohen Säuregehalt sollen sie Schweiß und Geruch binden und neutralisieren können. Es gibt sogar Menschen, die Torffasertextilien eine Schutzfunktion vor Strahlung zuschreiben und glauben, sie regulierten den Gefühlshaushalt und stärkten die Lebenskräfte. Im Moormuseum Elisabethfehn gehören Kleidungsstücke aus Torffasern zu den Ausstellungsstücken.

Torffasern als Granulat in der Aquaristik (15)

Als Granulat für Filteranlagen wird häufig Aktivkohle verwendet. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch gerade im Bereich der Aquaristik und Teichpflege Schwarztorf als Filtergranulat durchgesetzt. Schwarztorf senkt pH-Wert und Stickstoffgehalt des Wassers, außerdem lassen sich Algen und Pilze stark reduzieren – Wasserpflanzen wachsen dagegen umso besser. Außerdem enthält der Schwarztorf Fulvosäuren, die die Schleimhäute der Fische vor bakteriellem Krankheitsbefall schützen. Huminsäuren verstärken die Widerstandskräfte der Fische.

Torf im Wellness-Bereich (16)

Schon im 15. Jahrhundert wurden dem Moor heilende Kräfte unterstellt: Der Philosoph, Arzt und Gelehrte Paracelsus, Wegbereiter der neuzeitlichen Heilkunde, wurde 1439 in der Schweiz geboren und schwor zeit seines Lebens auf die Kraft des Moores. Doch erst Anfang des 19. Jahrhunderts begann der wahre Siegeszug der Moorbäder: In zahlreichen europäischen Kurorten wurden warme Moorbäder und Moorpackungen als natürliches Mittel zur Entspannung eingesetzt. Sogar bei Arthrose- oder Osteoporose-Beschwerden, rheumatischen Erkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem werden Moorbäder als Teil einer natürlichen Kur gerne angewendet. Heute sind Moorbäder und -therapien aus Kurorten nicht mehr wegzudenken – selbst aus Kurorten im tiefsten Bayern: Die Gemeinde Bad Kohlgrub ist das höchstgelegene Moorheilbad Deutschlands.

Weiterführende Links

Weiterführende Artikel

Weiterführende Literatur

  • Haverkamp, Michael (Hrsg.): Von den Heseper Torfwerken zur Klasmann-Deilmann GmbH: 1913 – 2013. Rasch (2013). ISBN: 978-3899462012