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Station 10: Moorarchäologie

Moorleichen zwischen Weser und Ems

Berichte über die Entdeckung von Moorleichen gibt es seit dem 17. Jahrhundert, doch bis ins späte 19. Jahrhundert war der Umgang mit derlei Funden vor allem experimenteller Art: Durch falsche Lagerung, Weitergabe einzelner Leichenteile an befreundete Forscher und zahlreiche Versuche zur konservierenden Wirkung des Moorbodens sind heute nur noch wenige historische Moorleichenfunde erhalten.

Die Archäologin Johanna Mestorf, eine der ersten Frauen im Königreich Preußen, die mit dem akademischen Titel der Professorin lehren durfte, katalogisierte und veröffentlichte 1871 alle bekannten Moorleichenfunde. Ihr ist es zu verdanken, dass sich die Forschung erstmals gezielt der historischen Bedeutung der Moorleichen bewusst wurde.

Für niedersächsische Moorfunde waren die Forschungen von Hans Hahne, angestellt beim Provinzialmuseum zu Hannover, wichtig: Er beschrieb ausführlich Fundumstände, Leichen und Kleidungsstücke, auf die die heutige Forschung zugreifen kann.

Einen großen Beitrag zur Erforschung von Moorleichen in der Weser-Ems-Region leistete Hajo Hayen, der auch eine umfangreiche Typologie für unterschiedliche Arten von Bohlenwegen erstellte, die in der Moorarchäologie noch heute Anwendung findet. Hayen beschäftigte sich unter dem Einfluss neuer wissenschaftlicher Vermessungsmethoden vor allem mit der Datierung von Moorleichen.

Hortfund Strueckhausen natur und mensch oldenburg
Hortfund Strückhausen

Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es nur noch wenige Moorleichenfunde – die Industrialisierung des Torfabbaus mit schwerem Gerät verhinderte die Entdeckung von neuen Leichenteilen. Die Forschung konzentriert sich seitdem auf die Untersuchung der bekannten Moorleichen, insbesondere auf die Untersuchung von möglichen Zusammenhängen zwischen einzelnen Moorleichen.

Auch Hayens Vorstöße in der Datierung von Moorfunden sind von Belang und wurden vorerst mittels der Radiokarbonmethode fortgeführt. Heute erfolgen Altersforschungen vor allem mithilfe von Mikro-Computertomografie und elektronenmikroskopischen Scans. Für die Untersuchungen reichen dabei winzige Gewebe- oder Partikelproben – die kostbaren Moorfunde werden dank dieser modernen Technik nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen.

Tipp
Die Dauerausstellung „Weder See noch Land – Moor – eine verlorene Landschaft“ im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg zeigt neben Alltagsgegenständen aus dem Moor auch Moorleichen, die teilweise bis zu 2000 Jahre lang konserviert wurden. Weitere Informationen sind online verfügbar.

Buchtipp: Moorleichen und Spannung
Kommissarin Ann Kathrin Klaasen verschlägt es in unwirtliches Gebiet: Ein entführtes Baby sorgt für Aufregung und eine ausgestopfte Moorleiche wird gefunden, die definitiv keinen historischen Wert hat, sondern im besten Fall eine Mordanklage nach sich zieht. Klaus-Peter Wolfs siebter Ostfrieslandkrimi, „Ostfriesenmoor“, ist ein Garant für kurzweilige Stunden und war bereits kurz nach dem Erscheinen ein Spiegel-Bestseller. Weitere Informationen unter www.klauspeterwolf.de | Wolf, Klaus-Peter: Ostfriesenmoor. Frankfurt am Main (2013), ISBN: 978-3596190423

Weiterführende Links

Weiterführende Literatur

  • Fansa, Mamoun; Jopp, Eilin; Püschel, Klaus (Hrsg.): Das Kind aus der Esterweger Dose. Dokumentation einer außergewöhnlichen Skelett-Moorleiche. Schriftenreihe des Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Heft 74 (2010), ISBN: 978-3-89995-702-0

  • Both, Frank und Fansa, Mamoun (Hrsg.): Faszination Moorleichen. 220 Jahre Moorarchäologie. Schriftenreihe des Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Heft 80 (2011), ISBN: 978-3-8053-4360-2

  • Buß, Melanie; Goltermann, Rainer; Hössle, Corinna; Ritzau, Carsten (Hrsg.): Der Junge im Moor. Eine Zeitreise. Oldenburg (2011), ISBN: 978-3899956573

  • Brock, Thomas: Moorleichen: Zeugen vergangener Jahrhunderte. Stuttgart (2009), ISBN: 978-3806222050